Der Abschnitt liest sich wie ein Tagebucheintrag. Eine kleine Wanderung durch mein Gehirn, wer es mag…
Ein Tagebuch ist deine vollkommen unverfälschte Stimme.
Lucy Dacus
Der vorvorletzte Abend zu Hause (22. August 2026)
Es ist mein vorvorletzter Abend zu Hause und langsam fühlt sich alles ein bisschen seltsam an. Eigentlich fliege ich erst in ein paar Tagen, trotzdem habe ich die ganze Zeit das Gefühl, als müsste ich morgen früh schon mit meinen Koffern vor der Tür stehen. Und als hätte ich die Hälfte vergessen! Ein schrecklich nervenaufreibendes Gefühl, dass bis in den Hals zieht.
Natürlich freue ich mich. Sehr sogar. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass ich mich davon abhalten muss, zu viel darüber nachzudenken. Wenn ich mir zu oft sage: Du fliegst jetzt für mehrere Monate in die USA, wird aus Vorfreude einfach nur Nervosität. Und wenn ich dann noch darüber nachdenke, dass zwischen Zuhause und Cortland bald fast 6.000 Kilometer liegen, hilft das meinem Herzschlag auch nicht unbedingt. Yeahi.
Deshalb versuche ich gerade, das Ganze in meinem Kopf möglichst klein zu halten. Einfach wie eine normale Reise. Koffer packen, zum Flughafen fahren, einsteigen, ankommen. So ähnlich wie früher bei meinen Arbeitsreisen nach Portugal oder in die Schweiz.
Nur eben mit dem kleinen Unterschied, dass ich dieses Mal nicht nach ein paar Tagen wieder zurückkomme.
Genau dieser Gedanke sorgt momentan für Herzrasen.
In den letzten Wochen gab es auch einige Nächte, in denen ich im Bett lag und plötzlich dachte: Wtf, warum mache ich das eigentlich? Warum verlasse ich freiwillig meinen vertrauten Alltag, meinen Mann, meine Familie, meine Freunde und Katze und fliege auf einen anderen Kontinent, um dort bei null anzufangen? Das hört sich irgendwie verrückt an.
Die Entscheidung habe ich ja nicht gestern getroffen. Ich habe mich schon vor Monaten beworben. Danach kamen Auswahlgespräch, Zusage, Visum, Kurswahl, Flüge und unzählige Formulare. Ich hatte also wirklich genug Zeit, darüber nachzudenken.
Und trotzdem hinterfragt man seine eigenen Entscheidungen offenbar noch tausendmal, nachdem man sie längst getroffen hat.
Wann immer ich zwei Übeln gegenüberstehe, wende ich mich dem zu, das ich noch nicht ausprobiert habe.
Mae West, amerikanische Schauspielerin
Vielleicht ist das aber auch ganz normal. Je näher etwas rückt, desto weniger ist es nur ein Plan und desto realer wird es. „Ich mache ein Auslandssemester in den USA“ klingt eben ganz anders als „Ja, also in drei Tagen verabschiede ich mich und steige ins Flugzeug.“
Ich glaube, ich muss gerade auch noch gar nicht vollständig begreifen, was die nächsten Monate bedeuten werden. Vielleicht reicht es, einfach den nächsten Schritt zu machen; morgen weiterpacken, Zeit mit den Menschen verbringen, die mir wichtig sind und versuchen, die letzten Tage zu Hause nicht nur mit Gedanken an den Abschied zu verbringen.
Denn trotz Herzrasen, Nervosität und gelegentlichem Warum zur Hölle mache ich das? weiß ich auch noch, warum ich mich dafür entschieden habe. Daran muss man sich auch oft erinnern, sonst würde man die ganze Zeit denken, dass man doch verrückt geworden sein muss.
Also versuche ich jetzt, meinem Kopf nicht drei Monate voraus zu sein.
Erst einmal ist es einfach nur eine Reise. Eine ziemlich lange Reise, okay. Fast 6.000 Kilometer. Aber trotzdem; wie mein Opa immer gesagt hat: Mach es wie die Pferde, ein Schritt nach dem anderen, und dabei immer nicken.
Der letzte Abend in Deutschland
(24. August 2026)
Es ist fast soweit.
Ich werde ziemlich oft gefragt, wie ich mich fühle und wie ich das alles finde. Aber ehrlich gesagt, weiß ich es selbst nicht. Ich habe eher das Gefühl meine Gehirn schaltet meine Gefühlswelt auf Standby, damit ich nicht zu viel darüber nachdenke und am Ende nicht doch nicht in den Flieger steige. Die Doppeldeutigkeit der doppelten Verneinungen tun mir jetzt schon leid. Im Laufe der Beiträge werdet ihr davon ggf. noch mehr sehen.
Ich fühle mich gut, und nicht gut. Gut, weil ich es jetzt kaum abwarten kann. Nicht gut, weil ich immer Angst habe, dass etwas schief geht oder dass mir etwas überhaupt nicht gefällt.
Natürlich bin auch gespannt, was alles kommt. Andererseits habe ich mich monatelang darauf vorbereitet und so viele Webseiten besucht und Aufgaben erledigt, dass es sich schon so anfühlt, als hätte ich die ganze Zeit online an der SUNY studiert. Jetzt fehlt nur noch das erste Kennenlernen mit der Uni. Es ist fast wie ein Blind Date. Man sucht sich eine Uni aus. Dann fährt man dort hin, ohne zu wissen, ob es einem dort überhaupt gefallen wird.
Wie man sieht, ist es ein wahres Wechselbad der Gefühle. Nur, dass ich dabei nicht entspannt bin. 😄
Zwischen Flughafen, Tränen und Ankommen (25. August 2026)
Anreise nach Cortland über Charlotte in North Carolina
Ich sitze im Flieger und schreibe jetzt offline. Man ist das mal ein Realitätscheck ohne Internet! Keine Nachrichten, kein googeln, keine Mails. Aber irgendwie auch angenehm, wenn man mal kurz mit seinen Gedanken alleine ist. Wenn man mal nichts teilt, sondern nur für sich denkt. Das könnte ich aber nicht die ganze Zeit. Die 9,5 Stunden reichen mir schon.
Ich denke an meinen nächsten Ziel-Flughafen Charlotte in North Carolina, den wir in 3:19 Stunden erreichen. Die Reisegeschwindigkeit ist auch der Hammer. Mit 916km/h düsen wir über den Ozean. Das Flugzeug ruckelt immer mal wieder und hat mich vorhin ganze 3 Stunden in den Schlaf geschuckelt. Dadurch, dass alle Sonnenblenden unten sind, könnte man auch denken, dass man im Zug sitzt. Der einzige Unterschied ist der Service mit Essen & Trinken, die Lautstärke und das Rauschen der Luft und Triebwerke, dass so laut ist, dass ich kaum mein eigenes Wort oder das der Flugbegleiterin höre.
Aber… ich muss euch ja von Anfang an mitnehmen. Ich kann nicht gut geradeaus denken und schmeiße alles ins hier und jetzt. Einen Moment.
Nochmal kurz zurück zum Start.
Heute Morgen um 3 Uhr sind wir aufgestanden. Also mein Mann und ich. (Ich muss mich noch an die Worte gewöhnen im positiven Sinne). Um 3:30 Uhr ging es auch schon los mit dem Auto zum Flughafen. Die Koffer hatten wir bereits am Abend zuvor ins Auto gepackt. Alles ist dunkel und kaum jemand ist unterwegs. Wir halten unsere Hände und haben direkt einen Flashback an unseren Urlaub nach Italien. Wie schön das wär, jetzt in Urlaub zu fahren, sagt er. Ich stimme zu.
Da die Autobahn so leer ist, kommen wir viel früher am Flughafen schon gegen 4 Uhr an. Wir können uns noch ein paar Mal umarmen und die letzten Gedanken austauschen. Wir bringen noch zusammen den großen Koffer weg und stehen vor dem Eingang zur Sicherheitskontrolle. Eigentlich will ich gar nicht Tschüß sagen und loslassen aber langsam muss ich auch weiter. Die letzten Küsse und Umarmungen gibt es jetzt. Die letzten aufbauenden Worte. Dann ziehe ich dahin und wir winken uns weiter zu. Ich muss mich so zusammenreißen, ist ja irgendwie klar.
Jaa, so fühlt sich das an, ins Ungewisse zu gehen. Ich sehe noch den letzten Blitzer vom Winken und ein kleines Lächeln. Mit feuchten Augen (und ein paar Tränen) geh ich zum nächsten Sicherheitsband.
Dann hol ich mir etwas warmes zu trinken und sitze plötzlich am Gate, völlig müde und voller Emotionen, die ich jedes Mal in meinem Hals und Bauch spüre. Wie ein Kloß, sitzt da alles fest und wartet darauf, zerdacht zu werden. Später bitte.
Ist das schon zu viel Einblick in meinen Kopf? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, aber so ist es eben. Das ist die Wahrheit.
Ich vermisse alle jetzt schon und als das Flugzeug abhebt, fliegen die ganzen letzten Monate und 3 Jahre an meinem gedanklichen Auge vorbei. Das hört sich total poetisch oder übertrieben an, aber ich verspreche, dass es sich so anfühlt ohne genau gut oder schlecht zu sein.
…
Ich höre nun die Musik auf meinen Ohren, womit ich mich versuche zu entspannen, zu beruhigen und mich abzulenken, sodass die Zeit vergeht. La Isla Bonita von Madonna trällert durch meinen Kopf. Man sollte dazu wissen, dass ich noch nie so weit weg war, so weit geflogen, so lange mit einem Flugzeug der Größe unterwegs war. Das längste war bisher 5 Stunden nach Griechenland und naja, das war easy, weil ich nicht alleine war.
Also frag ich meine Sitznachbarin, wo sie hin will und ob sie auch zum College geht. Irgendwie sieht sie auch so aus, als würde sie zum Studium dahin fliegen. Und Treffer, aber sie geht nach Pittsburgh. Also hab ich noch keinen gefunden, der auch nach Syracuse will.
…
Angekommen in Syracuse, warte ich auf den Bus, der mich abholen soll. Nach ca. 45 Minuten kommt ein roter Bus. Die Aufschrift SUNY Cortland ist nicht zu überlesen. Ich gehe raus zum Parking am Terminalausgang und treffe die ersten Organisatoren und anderen Studenten der Gruppe. Wir sind 11 internationale Studierende, die jetzt zum Campus gebracht werden.
Als wir um 18:30 Uhr am West Campus ankommen, freue ich mich schon auf mein Bett nach ungefähr 18 Stunden Reisezeit. Falsch gedacht: Die Schlüssel zu unseren Apartments fehlen und es ist noch ein Dinner angedacht. Also stellen wir nur unsere Koffer ab und fahren Pizza essen. Ich bin todmüde und würde sowas alleine niemals machen, aber gegen ein schnelles Abendbrot sage ich nichts. Ich unterhalte mich mit den ersten Leuten, wir tauschen uns aus. Unsere Namen, woher wir kommen, was wir machen. Small Talk eben. Nebenbei wird Margarita gegessen und es gibt Getränke, wo überall Eiswürfel drin sind. Mein Paradies, ich liebe Eiswürfel xd
Als die Sache aber länger dauert als gedacht, fange ich an ungeduldig zu werden. Ich habe den Eindruck, dass die Orga Leute sich nicht einig sind und nicht genau Bescheid wissen, was sie als Nächstes machen sollen. Sie diskutieren seit einer Weile. (Spoiler: Mich ins Bett bringen bitte, danke :D)
Um 21 Uhr neuer NY Zeit geht es endlich zum Apartment. Für meinen Körper sind es jetzt schon 24 Stunden Reisezeit. Eine Dusche ruft mich schon lange! Ich kriege meine Schlüssel und gehe im Laufschritt mit meinen 2 Koffern und Laptoptasche zum Haus. Endlich angekommen, trage ich die Koffer hoch. Das erste, was mir auffällt, ist der Eigengeruch des Hauses. Es riecht generell ganz anders, aber überall. Wenn ich es vergleichen sollte, würde ich sagen, dass auch Deutschland einen Eigengeruch hat, an dem man es sofort mit geschlossenen Augen erkennen würde.
Als ich mein Zimmer betrete, überkommt es mich erstmal. Ich muss weinen (ja ok, ist schwer das zuzugeben hier, es ist alles zu lesen, ich weiß, dass ihr das lest..), aber ich bin erstmal froh angekommen zu sein. Andererseits kickt das Gefühl: Jetzt bin ich hier und komme nicht mehr zurück nach Hause bis Weihnachten. Ich kenne hier niemanden. Aua.
Ich mache mein Bett und gehe duschen. Die Bewohnerin muss mir zeigen, wie die Dusche angeht. Ich verlinke demnächst hier ein Video von amerikanischen Duschwannen. Die sind speziell.
Um 4 Uhr morgens deutscher Zeit, für mich 22 Uhr NY Zeit, lege ich mich endlich ins Bett. Mir tut alles weh und ich schlafe gleich ein.
Die Nacht endet aber kurz gegen 3:30 Uhr werde ich schon wach. Zu Hause ist es jetzt 9:30 Uhr und ich bin ja kein Langschläfer, wie ihr wisst.
Bis 6:30 Uhr quäle ich mich durch und döse weiter im Bett.
Der erste Tag startet mit einer heißen Dusche. Dann mache ich mich auf den Weg zum Aldi (Ja, den gibt es hier auch haha) und kaufe mir Frühstück für die nächsten Tage und natürlich heute.
Auf dem Weg zum Supermarkt, fällt mir auf, dass die Erzählungen von YouTube stimmen. Es gibt keine Fußgängerüberwege, keine Schilder für Fußgänger und auch keine Ampeln für Fußgänger. Schlichtweg nichts für fußläufige Menschen. Ich gehe gerne zu Fuß. In den USA ist es aber auch nicht gerne gesehen. Wenn die Polizei mich hier feucht fröhlich spazieren sieht, halten sie an und fragen, warum man läuft und warum man nicht mit dem Auto fahre. Das ist mir zum Glück heute nicht passiert, aber ich habe es mir von den Locals hier sagen lassen.
Breakfast: Es gibt Bagel mit Frischkäse, Hühnchen und Möhren mit Hummus.
Gestärkt geht es in den Tag, mit dem Shuttle Bus fahren wir gegen 11:40 Uhr zum Campus, hören einige Vorträge, essen Mittag zusammen und bekommen unsere Studentenkarte (ID).
Welcoming Week, die ersten Tage und neue Eindrücke (26.08-27.08.)
Hier kommen zusätzlich einige Bilder der ersten Tage, um das Beschriebene zu verbildlichen. Natürlich nicht alle. Noch mehr Bilder sind in der Rubrik „Alltag in den USA“ bzw. in der Fotogalerie finden.
Am ersten Tag haben wir ja einige Vorträge gehört. Dabei waren Themen wie „Wie funktioniert das Leben hier? / Wo können wir Hilfe bekommen? / Dating in den USA / Welche Clubs und Sportvereine sowie Aktivitäten gibt es? / Wie funktioniert der Unterricht? / Wie sprechen wir die Profs richtig an? / Wie und wo kommen wir von A nach B“. All diese Dinge und noch viel mehr wurden über 2 Tage verteilt in 4x 1,5 Stündigen Vorträgen behandelt. Natürlich haben sich die Mitarbeitenden der Uni dabei gleich vorgestellt.
Die ersten beiden Tage waren sehr voll gepackt, von 8:30 bis 21 Uhr gab es Programm, inklusive gemeinsamen Frühstück, Mittag und Abendessen.
Wenn wir Freizeit haben, dann meist von 14-16 Uhr. Am ersten Tag sind wir in dieser Zeit aber zu Walmart gefahren, um die wichtigsten Dinge einkaufen zu gehen. Beispielsweise brauchte ich alltägliche Küchenutensilien, ein Kissen und einen Bezug für die Matratze, einen Haarföhn usw. Der Haarföhn ist wichtig, weil die Stecker ja anders sind hier und unsere 240V Föhne die 100V Leitungen wahrscheinlich wegpusten würden.
Eine Frau namens Becky, die gestern einen Vortrag über Gewaltprävention hielt, sagte, die Stromleitungen seien aus den 70er Jahren und somit nicht dafür gemacht unsere ganzen neuen technischen Geräte gleichzeitig zu versorgen.
Gewaltprävention und Alkoholverbot sind wichtige Themen hier. Dazu kommt noch ein extra Beitrag bei „Alltag in den USA“.
Beckys Fragen wie „Ist es nicht dämlich, sich wegen eines T-Shirts des Vereins eines anderen Studenten zu prügeln?“ wurden mit einem Chor von den amerikanischen Studenten mit einem „YES BECKY“ erwidert. Ich hab mich gefühlt wie im Film. Irgendwie war es auch niedlich, sie hat es jedenfalls sehr gut gemacht! Authentisch würde man hier sagen. Die Nachricht kam an (zumindest sozial erwünscht).
Die Sache, die aber bestimmt alle am meisten interessiert. Wie sieht mein Zimmer aus? Ja, ich lass euch nicht im Stich. Schaut es euch an, an der Fototapete ist es ganz rechts unten.
Weiter geht’s. Wir haben am ersten Tag nach den Präsentationen ein BBQ gemacht. Bei BOBs BBQ gab es 4 große Smoker und alles hat draußen stattgefunden. Unter Markisen und Holzstämmen standen die Mitarbeiter und haben uns das Essen in die Schalen gefüllt. Ich habe BBQ Chicken (Hühnchen) mit Süßkartoffel und Kartoffelsalat sowie ein Baguettestück genommen. Dazu gab es eine Cola Zero. Das Essen schmeckt wirklich anders. Ich war mir dessen bewusst, dass es anders sein wird, aber dennoch ist es etwas ganz anderes, wenn man dieses „anders“ plötzlich schmeckt. Das Gehirn kann die verschiedenen Geschmäcker nicht einordnen. Das Schemata im Gehirn ist dafür nicht registriert. Und was passiert bei „nicht registriert“? Ja, es fühlt sich so an, als würde es nicht schmecken, was aber ziemlich subjektiv ist und objektiv gesehen schmeckt es schon. Man muss sich einfach daran gewöhnen. Es schmeckt alles etwas rauchig, öliger, weniger salzig, außerdem schmeckt der Essig anders, eher wie Apfelessig und milder. Nach dem Essen konnten wir Fußball oder Volleyball spielen. Da neben dem großen Garten ein kleiner Fluss verläuft, ließen die kleinen Moskitos nicht lange auf sich warten. Es war ein schöner Abend mit Sonnenuntergang in der Natur. Allerdings waren wir alle so müde und fertig, Jetlag ist präsent.
Nach dem BBQ, sind wir weiter zum Bowling gefahren. Mit der letzten Energie, die wir finden mussten, haben wir Bowling gespielt. Die ganze Halle war nur für uns gemietet, denn wir sind 67 internationale Studierende (aus aller Welt). Die Klimaanlage war ‚volle Pulle‘ am Laufen und ich habe mit Pullover gebowlt. Das hab ich auch noch nie gemacht. Es hat Spaß gemacht und ich bin in unserer Gruppe sogar als Winner mit 111 Punkten rausgegangen. Cool! Eine andere Studi hat mich nach meiner Technik gefragt. Tja, Jonas, erklär das mal jemandem auf Englisch xD.
Meet-Up with the President! Not Donald.
Am zweiten Tag, Donnerstag (26.08.) haben wir auf dem Campus Frühstück beim Präsidenten der Uni gehabt. Es war ein Saal mit großen Tischen und roten Tischdecken. Es sah aus wie ein Ballsaal. Von der Decke hängen große pompöse Lampen. An den Wänden hängen handgemalte Gemälde der vorigen Präsidenten der Uni SUNY.
Wir holen uns Essen vom Buffet. Es gibt Bacon, Bratkartoffeln, Rührei, Croissants und Muffins. Außerdem gibt es Saft, Tee und Kaffee. Ist das jetzt ein an uns angepasstes oder schon authentisches Frühstück?, frage ich mich. Als ich mir Tee einschenke, steht plötzlich der Präsident im Anzug neben mir und macht sich auch einen Tee. Er stellt sich mit Eric Bitterbaum vor. Er sieht mein Namensschild und fragt, ob ich diejenige aus der Uni Potsdam bin. Ich bin total verdutzt und antworte mit: Yes, I am! Nice to meet you. Wir unterhalten uns kurz über den Studiengang und dass er auch für kurze Zeit in Deutschland gelebt hat und dort geboren wurde, daher der deutsche Name! So fing der Tag schon mal richtig cool an.
Während des Frühstücks haben sich alle nacheinander vorgestellt. Natürlich hat der Präsident eine kurze Rede geschwungen und seinen Werdegang erzählt. Danach haben wir Studis uns vorgestellt. Es war wirklich interessant zu sehen und zu hören, woher alle kommen. Es sind so viele Länder vertreten: Japan, Deutschland, Spanien, Frankreich, Russland, Indien, Uzbekistan, Türkei, Ruanda, Südafrika, Ägypten und viele mehr.
Nach dem Breakfast at Presidents sind wir zum nächsten Vortrag. Dort haben sich die beiden ersten Professoren vorgestellt. Prof. Ghat und Prof. Shegman, sie ist Soziologin und Prof. Ghat Historiker. Sie sind verheiratet und haben den Unterricht im Tandem gehalten. Wie bei einer Moderation haben die Sätze der beiden ineinander gegriffen und uns alles erklärt. Sie haben sich gegenseitig ergänzt und uns die Regeln erläutert. Lehrende mit Prof ansprechen, unter keinen Umständen Mrs., Miss, dagegen sind Ms. oder Mr. in Ordnung. Ja, da gab es schon die ersten Fragezeichen in den Augen. Während des Unterrichts wird nicht auf Toilette gegangen, außer im Notfall. Man muss jedoch vorher Bescheid sagen. Handys sind logischerweise auch verboten. Laptops nur gestattet, wenn man Notizen zum Unterricht schreibt. Alles Dinge, die viel strenger sind als in Deutschland. In Deutschland an der Uni interessiert es niemanden, ob man mitschreibt oder nicht, ob man auf Toilette geht oder nicht. Außerdem ist das Trinken im Seminarraum nicht gestattet. Das ist schon mal der erste Eindruck und CrashKurs Unterricht an der amerikanischen Uni. Ich werde sehen wie ernst das gemeint war. Sie meinten nämlich, dass die amerikanischen Studis die Regeln nicht so ernst nehmen und wir uns kein Beispiel daran nehmen sollten. Najaaaa, das wird alles noch. Hoff ich erstmal.
Dann gab es wieder Mittag in der Kantine. Da gibt es viele verschiedene Gerichte zur Auswahl, Pizza, Nudeln, Tacos, Buffalo Chicken, Fisch, Waffeln, Salat, Gemüse, Obst, Jogurt etc.
Ihr seht den Nachtisch mit dem Kirschjogurt auf den Bildern. Wenn ich euch sage, der Kirschjogurt schmeckt wie bei uns! Es war so toll auch eine Sache zu schmecken, die schön europäisch und nach künstlicher Kirsche schmeckt. 😀









Am Donnerstag Nachmittag haben wir etwas Freizeit gehabt, 1 Stunde lang. Da hab ich natürlich telefoniert. Am Abend haben wir noch eine Präsentation gehabt und waren Abendbrot essen in der Kantine. Danach gab es ein paar Spiele im Foyer des Student Life Center. Das ist ein großes Gebäude mit vielen Bereichen, einmal die Kantine, ein Info-Counter, viiiiiiel Platz im Foyer, ein 600m2 Fitnessstudio, 3 Turnhallen, ein Golfsimulator, Fahrradfahr-Räume usw.
Apropos Fahrradfahren: Hier gibt es Spinning-Kurse, wo man zu Musik in einer Gruppe im Raum Fahrrad fährt. Jetzt weiß ich auch, warum sie das so machen. Es gibt natürlich keine Radwege. 😉 Da bleibt einem ja nichts anderes übrig als es im Fitnessstudio zu machen. Die Offenbarung Fahrrad durch den Wald oder neben der Straße zu fahren, ist ein wahres Privileg bei uns zu Hause. Auch wenn es uns manchmal nervt beim Autofahren, ist es schon seltsam, wenn man so gar kein Fahrrad draußen fahren kann.
Ja aber, wo bleibt denn die frische Luft?! Die gibt’s dann morgen beim Picknick an den Taughannock Falls. Dafür melde ich mich dann wieder!
Meine Lieben, der Beitrag zu den Wasserfällen findet ihr in der Rubrik „Reisen“.
Hier geht es weiter mit dem Update zu meiner ersten ganzen Woche Uni Zeug!
Meine erste Woche mit Seminaren und Sport
Am Montag (31.08.) ging es dann los mit den Seminaren. Ich bin morgens aufgestanden und habe gegen 7:40 Uhr den Bus zum Campus genommen. Dorthin sind es zwar nur 10 Minuten aber ich wollte noch etwas Zeit haben, um die Räume zu finden. Ich war etwas aufgeregt, aber auch im positiven Sinne, weil ich ja nicht wusste, was mich genau erwartet.
Zum Glück war mein erster Kurs Special Education bei Katie Duccett. Wir haben uns alle erst mal vorgestellt, woher wir kommen usw. Das Übliche, was ich in den letzten zwei Wochen unzählige Male gemacht habe.
Der Kurs bei ihr war in dieser Woche bisher sehr entspannt. Wir haben Aufgaben gelöst, diskutiert und uns ausgetauscht. Außerdem hat sie auch etwas über sich erzählt. Damit waren die ersten zwei Stunden schon um.
Danach hatte ich Painting bei Brooke. Viele der Profs wollen gerne beim Vornamen genannt werden. Es muss auch nicht immer die Anrede dabei sein. Das entscheidet aber jeder für sich. Also aufgepasst, es ist nicht immer so. Da sind die Fettnäpfchen nicht weit. Wir haben bei ihr auch erst mal eine Vorstellung gemacht. Natürlich will man auch wissen, wer im gleichen Kurs sitzt und warum sich die anderen dafür entschieden haben und was sie in ihrer Freizeit machen. Von Rugby, über Hockey oder Football sind alle Sportarten in den meisten Kursen vertreten.
Und natürlich ist es immer der Brecher, wenn ich an der Reihe bin und sage, dass ich aus Deutschland komme. Dann heben sich plötzlich alle müden Köpfe und schwenken zu mir. Ich fühle mich angestarrt. Aber sie sind einfach nur interessiert und fragen, ob ich zum ersten Mal in den USA bin und wie es mir gefällt. Die Profs sind auch ganz angetan und begrüßen mich mit einem „Welcome Sarah, it’s great to have you here!“. (So viel wie: Willkommen, es ist schön, dass du hier bist!). Aber ganz ehrlich, was sollen sie auch sonst sagen 😆 Ich freue mich trotzdem darüber und beende den Uni-Montag mit einem guten Gefühl und einigen Hausaufgaben im Gepäck.
Direkt nach den Kursen bin ich ins Fitnessstudio gegangen und bin gelaufen und habe Gewichte gestemmt. Mein Trainingsplan wende ich auch hier an. Ich brauche meine Routinen und einen Stück vom Alltag, den ich sonst hatte. Sonst verwirrt es das Gehirn zu sehr. Also habe ich beim Sport „alles wie immer“ gemacht und bin dann ins Apartment, um mir etwas zu essen zu machen. Meistens esse ich einfach nur viel Gemüse mit Reis, Nudeln und Hühnchen oder Spiegelei. Es ist gesund und geht schnell. Das Essen in der Mensa habe ich nicht so gemocht. Da waren so viele Soßen, viel Öl und fettiges Essen dabei. (Hat mir mein Körper auch nicht gedankt, aber in der ersten Orientierungswoche blieb mir nichts anderes übrig bei dem straffen Zeitplan.) Umso glücklicher bin ich jetzt, dass ich mein eigenes Essen machen kann und es zumindest ein wenig so wie immer schmeckt.

Somit war der Montag auch schon fast vorbei und ich habe einige Aufgaben für die nächsten Tage erledigt.
Am Dienstag ging der Uni-Tag erst um 13 Uhr los. Davor war ich einkaufen und habe Wäsche gemacht. Langweilige Dinge, die von mir aber auch gemacht werden. Der erste Kurs war Linguistik bei Jean Costa Silva. Er ist ein brasilianischer Sprachwissenschaftler, der 1) sehr schnell spricht 2) viel Humor in die Klasse bringt und 3) mich immer „my German friend“ (meine deutsche Freundin) nennt. Danke Jean, my Brazilian friend! Sein Name wird so gesprochen wie „John“. Das hat er angepasst, damit er nicht immer falsch angesprochen wird von den Einheimischen hier. Same, Jean, same!
Denn: Mein Nachname wird hier am Ende mit -kauski ausgesprochen. Das „-wsk-“ würde im Englischen nicht als unser „w“ ausgesprochen werden, da es in den meisten Fällen eh ausgelassen wird (wie bei: know, knowledge, etc.). Tja, so schnell kriegt man einen neuen Namen. 😅
Weiter geht es bis 16 Uhr mit Inclusive Education mit Prof. Eunyoung. Sie kommt aus Südkorea und ist so wie alle anderen eine ganz liebe Person und total interessiert an jedem ihrer Studierenden. Sie fragt ganz viel nach. Auch bei ihr findet eine Vorstellung statt und wir bekommen die ersten Aufgaben. Danach habe ich bis 18:50 Uhr bei Jose ein Seminar über die politischen, Bildungsstrukturen und Sozialpolitik in den USA. Sehr interessant, aber auch sehr langes Seminar mit 2,5 Stunden ohne Pause. Am Ende des Tages sind wir aber noch nicht.
Als ich aus dem Seminar rauskam, war ein Fußballspiel in Gange. Ich bin dazu gestoßen und habe mir nach dem langen Tag einen Hotdog geholt. Ich hatte so Hunger! Das Spiel war cool anzusehen, weil natürlich alle auf Englisch zu den Spielern geschrien haben und die Atmosphäre sehr belebt war.
NIAGARA FALL TRIP (12.09.2026)
Ich sitze jetzt im Bus zu den Niagarafällen und habe endlich mal einen freien Kopf zum Schreiben. Ich weiß in den letzten Tagen war ich nicht so aktiv. Das lag aber daran, dass in den ersten 2 Wochen alles losgeht. Die ganzen Seminare geben ihre ersten Assignments (Bewertete Aufgaben) und Quizzes (Tests) auf, die man wöchentlich erledigen muss. Auch Schreibaufgaben gehören dazu, wo man Antworten auf Fragen zu Artikeln und Studien finden soll.
Langsam pendelt sich der Alltag ein und ich merke, wann ich wie viel Zeit habe. Die Tage sind relativ voll, aber nicht nur mit Seminaren, sondern auch mit Sport. Sport wird hier sehr groß geschrieben. Es ist fast der größte Teil der Uni. In den Bereich wird auch am meisten Geld investiert.
Tatsächlich sind die Seminare noch relativ einfach für mich. Bisher hab ich in den ersten zwei Wochen nur A‘s bekommen, das sind unsere 1en.
Alles ist hier anders, nicht nur Temperatur in Fahrenheit, Inches oder Ounces, nein es gibt auch andere Noten 😀
A=1/B=2/C=3 usw.
Fahrenheit = Temperatur
Ca. 70F sind unsere angenehmen 21.5•C
Inches = Größe
100 inches =2,54m
Ounces = Mengenangaben zB bei Getränken
16,9 oz ist ein Flasche mit 0,5L
Foot = Größe
Ich bin hier also 5 foot 4. Könnt ihr ja mal nachschauen wie groß ich dann sein muss :))
Okay genug fun facts. Ich fühle mich jeden Tag anders. An manchen Tagen fühl ich mich super und an anderen etwas gedämpft und mit weniger Energie oder Motivation. Das kommt auch ganz darauf an, wie viel Sport ich an dem Tag zuvor gemacht habe. Außerdem natürlich auch, was am Tag alles ansteht. Aber im großen und Ganzen geht es mir gut. Ich gewöhne mich nur immer noch an alles. Man sagt psychologisch gesehen, braucht ein Mensch 21 Tage, um sich an eine neue Routine oder Alltag zu gewöhnen und umzustellen. Na dann hab ich ja noch 2 Tage XD
Ich glaube nicht, dass ich mich in den 2 Tagen so anders fühlen werde. Aber tatsächlich gewöhnt man sich viel schneller an alles als man am Anfang denkt. Es ist wirklich erstaunlich wie schnell alles normal wird. Die Gerüche, das Essen, das Englisch mit den Dialekten, die riesigen blubbernden Autos, die kaputten Straßen und lauten Busse. Alles fühlt sich vertrauerter an. Ich lerne so viele neue Menschen kennen, immer noch. Es hört gar nicht auf. Sogar mit dem Busfahrer unterhalte ich mich jetzt, wenn ich abends zum Sport, zB Tennis, fahre. Er erzählt mir, dass er die Studentin kennt, die vor mir von der Uni Potsdam hier war. Mit ihr hat er auch immer gequatscht. Das ist wirklich so cool. Außerdem macht er immer unsere Musik laut an, wenn er uns sieht und fragt, ob wir auch Rihanna hören. Ich erzähle ihm, dass ich auch gerne tanze aber dass es immer so spät stattfindet, wenn kein Bus mehr fährt. Er bietet mir an, hey ich fahr ne Extra Runde und hol dich ab, kein Problem. Super toll, ein bisschen mehr Menschenkenntnis jeden Tag. Erzähle den Menschen was über dich und sie quatschen mit dir. Erzähle ihnen deine Situation oder ein Problem und sie versuchen dir irgendwie zu helfen. Natürlich ist das nicht überall so! Aber an unserer Uni SUNY sind die meisten Menschen sehr freundlich und hilfsbereit.
Das ist mir in den letzten zwei Wochen sehr stark aufgefallen.
Auch den Linguistik Prof, den ich auf dem Weg ins Gym treffe, unterhält sich mit mir. Wie ich es finde und was ich sonst so mache. Er erzählt, woher er kommt und was seine Interessen sind. Er kommt aus Brasilien und liebt es Sprachen zu lernen. Ganz einfach, aber es macht so viel aus. Man fühlt sich durch diese Gesten sofort besser aufgenommen und total zugehörig.
In Potsdam hatte ich das nur mit der Professorin, die mich hier hergebracht hat. Die anderen Profs haben gerne ihre Privatsphäre und reden nicht mehr als über das Fachliche. Das ist auch total in Ordnung! Aber es fühlt sich trotzdem anders, menschlicher an, wenn man auch mal über Hobbys sprechen kann.
Ich hoffe, ich kann das richtig rüberbringen, wenn ich schreibe. Das heißt auch nicht, dass es in Potsdam oder Deutschland schlechter wäre. Es ist einfach anders und das schätze ich wert und erkenne die Unterschiede an.
——
Ich bin gerade zurück vom Niagara Fälle Trip. Es war so unglaublich schön!
Die ganzen Bilder findet ihr unter der Rubrik „Reisen“.
Die Wasserfälle sind so beeindruckend. Wenn man dort oben am Rand steht, stürzen die Wassermassen mit voller Wucht in die Tiefe. Das Wasser schimmert richtig blau, grün, türkis und dunkelblau. Die Luft ist total warm und feucht. Die Wassertropfen steigen in die Luft und füllen die ganze Schlucht mit Wolken voller Wasser, die aussehen wie Rauchwolken.
Es duftet nach Erde, nach Bäumen und Wasser. Ein bisschen stell ich mir so den Duft im Regenwald vor.
Ich stehe am Geländer, am Rand der Terrasse und blicke hinunter. Der Blick ist so atemberaubend und schön. Es ist wie nichts, was ich vorher gesehen oder erlebt habe. Ich starre hinunter und es fühlt sich an als würden die letzten 3 Jahre an mir vorbeiziehen. Schon wieder! Irgendwie machen mich solche Orte total nachdenklich. Weil sie so beeindruckend und riesig sind, dass alles andere so klein wirkt. Alle Probleme oder schlechten Gedanken, die man hatte, sind für einen kleinen Moment vergessen. Man kann mal kurz innehalten und durchatmen. Es ist irgendwie befreiend und auch leichter danach. Manchmal merkt man erst wie schwer man sich fühlt, wenn es plötzlich etwas leichter wird. Vielleicht liegt ja jetzt ein bisschen meiner schweren Gedanken im Niagara River.
Ich denke dabei auch, dass ich definitiv wiederkommen werde. Allein um das wieder zu sehen und noch mal erleben zu können. Das Gefühl danach ist das Besondere. Wenn es tief sitzt und sich im Herz festsetzt und man weiß: das Gefühl behalte ich für immer in mir. Das werde ich immer in mir tragen und daran denken, wenn es mir mal wieder schlecht geht. Die Erfahrung trägt weiter, als jeder Tagebucheintrag je erzeugen könnte. Es ist einfach eine Erfahrung, die jeder in seinem Leben mindestens einmal gemacht haben sollte. Ich bin so dankbar, dass ich diese Momente erleben durfte und dass ich das machen kann. Ich wünschte die Möglichkeit würde es für jeden geben und nicht nur, weil man dafür ausgewählt wurde. Das Universum hat es diesmal gut gemeint: danke, wer auch immer da am Hebel sitzt!
Ich bin erstmal over and out und verarbeite den Tag sowie die letzte Woche.
Wir hören uns ganz bald wieder! Und vergesst nicht die Rubrik „Reisen“ abzuchecken. Da findet ihr einen kleinen Reisebericht zum Niagara Trip.
Eure S/M
Gedanken und so weiter & Danke an euch (16.09.26)
Meine Lieben,
ich bin mal wieder hier und sitze am Laptop während die Sonne untergeht und zu Hause schon fast Mitternacht ist.
In den letzten Tagen sind mir viele Gedanken durch den Kopf gegangen. So viele, dass ich sie alle gar nicht so schnell aufschreiben kann. Aber ich versuche mal irgendwie anzufangen.
Ich bin in meiner 4. Woche hier und es fühlt sich nicht so an. Es fühlt sich immer noch an, als wäre ich erst zwei Wochen hier und wäre gerade erst angekommen. Dennoch fühle ich mich an manchen Tagen etwas allein. Das ist auch völlig in Ordnung, denn wie ihr wisst, mag ich es zu schreiben, zu lesen, Filme zu schauen oder nach Hause zu telefonieren. Allerdings fühlt sich dieses ‚alleine‘ anders an. Freunde zu finden, ist hier nicht einfach, weil alle wissen, dass man ‚gleich‘ wieder geht und nicht lange hier sein wird. Die Kontakte, die man die ganze Zeit macht, sind super interessant, aber gehen auch noch nicht so tief, dass man sich auf diejenigen verlassen könnte oder spontan mal trifft. Es ist ein Spagat zwischen dem Gefühl, dass man doch Freunde finden will, schon viele Menschen kennengelernt hat, aussortiert, einordnet und verwirft; und dem Gefühl, bei dem man sich fragt: Wer bin ich eigentlich? Bin ich gut genug? Und damit meine ich nicht die Noten. Die sind hier total super. Sondern, bin ich gut genug, wenn man nicht gleich die besten Kontakte macht, so wie manch andere? Ich weiß, dass man sich nicht vergleichen soll. Und eigentlich kenne ich auch meinen Charakter mittlerweile relativ gut und was ich nicht mag. (Man das dauert aber auch ewig, wenn man erwachsen wird! Früher als Kind dachte ich immer das würde etwas schneller gehen. So ungefähr, wenn man 23 wird. Aber das ist ernüchternderweise wahrscheinlich nie so.) Meine Erfahrungen mit den internationalen Studierenden hier sind gut und nicht so gut. Es kann ja auch nicht alles immer nur schön sein. Das ist uns allen klar. Jetzt ist es an der Zeit zu sortieren und zu schauen, wer zu meinen Werten von Freundschaft und Empathie passt und mir ein gutes Gefühl gibt.
Vielleicht hört sich das alles etwas kryptisch an, aber ich möchte hier auch wenn die Rubrik „Persönliches“ heißt nicht zu genau werden. Ich habe einfach ein paar unschöne Momente erlebt, in denen mir nicht viel Empathie oder Höflichkeit entgegengebracht wurde. Und das ist eine Sache, die ich überhaupt nicht leiden kann. Das habe ich jetzt notiert und erst mal abgehackt.
Und klar, ich mache auch Fehler. Bei Gott mache ich nicht alles richtig. Aber ich hoffe einfach, dass in den nächsten Wochen besser wird und ich neuen Mut schöpfen kann. Ein paar aufbauende Worte dazu bekomme ich von meinem Mann, der mir auch nach den anstrengendsten Arbeitstagen noch zuhört und meiner besten Freundin, die mir liebe Worte und Tipps gibt, wenn es um Freundschaften und die Beziehung mit sich selbst geht. Danke dafür! Ich schätze das sehr und es füllt mein Herz ebenso, wie der Gedanke, dass ich so tolle Menschen zu Hause habe, die für mich jubeln und hinter mir stehen. Danke mein Hubby!
Und alle, die das lesen, ich danke euch! ❤
Ihr gebt mir das Gefühl, dass ich das schaffen kann und es nicht zu schwer ist. Auch wenn mein Herz an manchen Tagen ziemlich schwer runterhängt, sind eure Nachrichten und aufbauenden Worte einfach heilsam. Jeder Smiley und jede Nachricht bringt mich zum Lächeln und erinnert mich daran, dass ich doch nicht alleine bin, auch wenn ich es physisch bin.
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