Gründe ins Ausland zu gehen

Warum eigentlich ein Auslandssemester? Die Frage bekommt man oft gestellt und sie ist auch berechtigt. Gehen wir dem gemeinsam auf den Grund.

Ein Auslandssemester ist für viele Studierende eine Möglichkeit, für einige Monate aus dem gewohnten Studienalltag herauszukommen und eine andere Universität, ein anderes Land und eine andere Kultur kennenzulernen. Für mich bedeutet dieser Schritt aber noch etwas anderes. Ich studiere Englisch auf Lehramt und werde später selbst Sprache, Kultur und gesellschaftliche Themen vermitteln. Deshalb wollte ich Englisch nicht nur an einer deutschen Universität studieren, sondern erleben, wie es sich anfühlt, die Sprache jeden Tag ganz selbstverständlich zu benutzen und gleichzeitig in einem anderen Bildungssystem zu lernen.

Englisch nicht nur studieren, sondern leben

Ein wichtiger Grund für mein Auslandssemester ist die Möglichkeit, meine Englischkenntnisse im Alltag weiterzuentwickeln. Eine Sprache lernt man schließlich anders, wenn man sie nicht nur während eines Seminars verwendet, sondern morgens beim Einkaufen, in der Universität, bei Gesprächen mit anderen Studierenden und bei organisatorischen Dingen ständig braucht.

Während meines Studiums beschäftige ich mich viel mit englischer Sprache, Literatur, Linguistik und Didaktik. Trotzdem findet mein Alltag bisher überwiegend auf Deutsch statt. Ein Aufenthalt in einem englischsprachigen Land schafft eine ganz andere Form der Sprachpraxis. Man muss spontan reagieren, unterschiedliche Akzente verstehen und die regionale Alltagssprache kennenlernen.

An der SUNY Cortland werde ich meine Seminare vollständig auf Englisch besuchen, Aufgaben auf Englisch bearbeiten und mit Profs und anderen Studierenden kommunizieren. Gleichzeitig beginnt die Sprachpraxis nicht erst im Seminarraum. Schon beim Einkaufen, bei Veranstaltungen auf dem Campus oder bei einem ganz normalen Gespräch mit anderen Studierenden werde ich Englisch täglich verwenden. Ich hoffe, nach meinem Auslandssemester nicht nur fachlich sicherer zu sein, sondern Englisch noch natürlicher zu sprechen. Gerade für meinen späteren Beruf als Englischlehrerin ist das so wertvoll.

Ein anderes Bildungssystem kennenlernen

Ein zweiter wichtiger Grund ist mein Interesse am amerikanischen Bildungs- und Hochschulsystem. Als Lehramtsstudentin möchte ich nicht nur wissen, wie Unterricht und Lehrerbildung in Deutschland funktionieren, sondern auch kennenlernen, wie Bildung in einem anderen Land gedacht und umgesetzt wird.

Bildungssysteme unterscheiden sich zum Beispiel darin, wie Unterricht organisiert wird, welche Rolle Lehrkräfte einnehmen, wie Leistungen bewertet werden. Gerade der Vergleich mit einem anderen System kann helfen, die eigenen Vorstellungen von Schule und Unterricht neu zu hinterfragen.

Ich belege unter anderem Veranstaltungen zu Applied Linguistics for TESL, Inclusive Education, Special Education und dem Unterrichten von English Language Learners. Mich interessiert, welche Konzepte amerikanische Lehrkräfte kennenlernen, wie Inklusion dort verstanden wird und welche Unterstützung Schülerinnen und Schüler erhalten, deren Erstsprache nicht Englisch ist. Ich möchte also möglichst viele Ideen, Perspektiven und Erfahrungen sammeln, die später auch für meinen eigenen Unterricht relevant sein können.

Neue Perspektiven auf Gesellschaft und Kultur gewinnen

Ein Auslandssemester bietet die Möglichkeit, ein Land über den touristischen Blick hinaus kennenzulernen. Gerade bei den USA finde ich das wichtig, weil man durch Filme, Serien, Nachrichten und Social Media bereits viele Vorstellungen vom Land hat, bevor man überhaupt dort gewesen ist. Ich sag nur Bruce Willis Filme, Transformers, Fast and Furious, Nolan, einfach alles, womit meine Generation aufgewachsen ist, ist irgendwie „dort drüben“. Natürlich ist das nicht alles, aber irgendwie das Erste, was einem so einfällt.

Wenn man dort lebt, erlebt man gesellschaftliche Gewohnheiten oder Angewohnheiten, Gespräche, politische Themen und kulturelle Unterschiede und Diskussionen aus einer anderen Perspektive.

All die Fragen, die ich an der Uni Potsdam nicht beantwortet bekomme, hoffe ich während meines Aufenthalts irgendwie zu erleben. Ich kann mir gut vorstellen, dass die unterschiedlichsten Themen in Gesprächen oder im universitären Alltag besprochen werden. Ich hoffe einfach, die USA differenzierter kennenzulernen und nicht nur die Bilder wiederzufinden, die ich bereits aus Deutschland kenne.

Persönlich selbstständiger werden

Ein Auslandssemester ist eine akademische und persönliche Herausforderung. Für mehrere Monate in einem anderen Land zu leben bedeutet, den eigenen vertrauten Alltag erst einmal hinter sich zu lassen.

Viele Dinge, die zu Hause selbstverständlich sind, müssen plötzlich neu organisiert werden. Die Unterkunft, Versicherungen, Bankangelegenheiten, Reisen, Einkäufe, Universität, Orientierung und Kontakte. Zudem fehlen die Menschen und Routinen, auf die man normalerweise jederzeit zurückgreifen kann.

Für mich bedeutet der Aufenthalt, meinen Mann, Familie, meine Freunde und natürlich auch meine Katze Coffee für mehrere Monate nicht wie gewohnt um mich zu haben. Stattdessen werde ich in Cortland zunächst in ein neues Zimmer einziehen, mich auf einem fremden Campus orientieren und mir dort Schritt für Schritt einen neuen Alltag aufbauen.

Gerade am Anfang wird wahrscheinlich vieles ungewohnt sein: Wo kaufe ich ein? Wie komme ich von A nach B? Wie funktioniert das amerikanische Universitätssystem im Alltag? Wo finde ich Anschluss? Und welche Dinge, die zu Hause völlig selbstverständlich wirken, funktionieren dort vielleicht ganz anders?

Genau diese Situationen gehören aber ebenfalls zum Auslandssemester. Ich möchte ausprobieren, wie gut ich mich in einem völlig neuen Umfeld zurechtfinde und wahrscheinlich auch lernen, mit Situationen gelassener umzugehen, die sich vorher nicht vollständig planen lassen. Ich plane alles, wirklich ALLES. Und ich werde wahrscheinlich nie damit aufhören, aber manchmal wäre ich schon gerne etwas entspannter.

Das amerikanische Campusleben wirklich erleben

Ein weiterer Punkt, der mich an einem Studium in den USA reizt, ist das Campusleben. Amerikanische Universitäten funktionieren in vielen Bereichen anders als deutsche Hochschulen, weil Studium, Freizeit, Sport und soziale Aktivitäten deutlich! stärker miteinander verbunden sind.

Viele Studierende verbringen einen großen Teil ihres Tages direkt auf dem Campus. Neben Lehrveranstaltungen gibt es Sportangebote, Clubs, Veranstaltungen, studentische Organisationen und zahlreiche Möglichkeiten, andere Menschen kennenzulernen.

In Cortland möchte ich deshalb nicht nur meine Seminare besuchen und danach wieder in mein Zimmer gehen. Ich möchte auch erleben, wie sich das Campusleben anfühlt, Veranstaltungen besuchen, Sportangebote ausprobieren und möglichst viele Gelegenheiten nutzen, die es an einer amerikanischen Universität gibt.

Gerade Dinge, die man bisher hauptsächlich aus Filmen oder Serien kennt, z.B. College-Sport, Campusveranstaltungen oder das gemeinsame Leben an einer Universität selbst zu erleben, gehört auch zu dieser Erfahrung.

Reisen und eine neue Region entdecken

Natürlich gehört auch das Reisen zu einem Auslandssemester dazu. Wenn ich schon mehrere Monate auf einem anderen Kontinent verbringe, möchte ich nicht nur den Campus kennenlernen, sondern möglichst viel von der Umgebung und vom Land sehen.

Reisen erweitert den Blick auf ein Land noch einmal auf eine andere Weise. Die USA sind geografisch und kulturell sehr vielfältig, sodass sich Regionen teilweise deutlich voneinander unterscheiden. Wälder, Wüsten, Berge, Wasserfälle, Großstädte etc.

Cortland liegt im Bundesstaat New York und damit in einer Region, die ich bis auf NYC aus Filmen so gar nicht kenne. Rundherum liegen die Finger Lakes, Ithaca, zahlreiche State Parks und Wasserfälle. Ich möchte auch größere Städte und bekannte Orte besuchen und erleben, wie unterschiedlich das Leben beispielsweise in einer kleinen College-Stadt und in New York City ist.

Und warum gerade SUNY Cortland?

Bei der Entscheidung für ein Auslandssemester war mir wichtig, dass die Universität nicht nur irgendwo in den USA liegt, sondern auch fachlich zu meinem Studium passt.

SUNY Cortland hat einen starken Schwerpunkt im Bereich Education und bietet zahlreiche Veranstaltungen an, die unmittelbar mit Lehrerbildung, Sprache, Inklusion und Sonderpädagogik verbunden sind.

Meine Kurse gehen von Applied Linguistics for TESL über Educating English Language Learners bis zu Inclusive Education und Special Education. Gleichzeitig kann ich mit Painting I auch einen Kurs besuchen, der außerhalb meines normalen Studienplans liegt. Genau diese Kombination finde ich spannend, fachlich relevante Inhalte auf der einen Seite und die Möglichkeit, während des Auslandssemesters etwas Neues auszuprobieren, auf der anderen.

Außerdem ist Cortland keine riesige Metropole, sondern eine vergleichsweise kleine amerikanische College-Stadt. Dadurch erhoffe ich mir, das Campusleben intensiv mitzubekommen und nicht einfach nur anonym in einer Großstadt zu studieren.

SUNY Cortland verbindet für mich deshalb mehrere Dinge, die ich mir von meinem Auslandssemester wünsche; passende Studieninhalte, amerikanisches Campusleben, eine neue Region und viele Möglichkeiten, auch außerhalb der Universität Erfahrungen zu sammeln.

Was ich mir am Ende davon erhoffe

Wenn ich im Dezember wieder nach Deutschland zurückkomme, möchte ich viele Fotos, Geschichten und Erinnerungen mitbringen. Viel wichtiger wäre mir aber, dass ich auch fachlich und persönlich etwas aus dieser Zeit mitnehme.

Ich möchte sicherer Englisch sprechen, neue Ansätze für meinen späteren Unterricht kennengelernt haben und besser verstehen, wie Bildung in einem anderen Land funktioniert. Ich möchte Menschen kennenlernen, die ich ohne dieses Auslandssemester wahrscheinlich nie getroffen hätte, Orte sehen, die bisher nur Punkte auf einer Karte waren, und feststellen, welche Dinge aus Deutschland ich vielleicht erst aus der Entfernung richtig zu schätzen weiß.

Wahrscheinlich wird nicht alles so funktionieren, wie ich es mir vorher vorgestellt habe. Es wird bestimmt viele Tage geben, an denen ich Deutschland vermisse, organisatorische Dinge nerven oder ich mich frage, warum irgendeine scheinbar einfache Sache in den USA plötzlich kompliziert ist. Aber auch das gehört dazu.

Jetzt wisst ihr hoffentlich umfangreich genug „warum“ ein Auslandssemester Sinn machen kann.



Schreibt mir eure Gründe, warum ihr für eine Zeit ins Ausland gehen würdet.

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